Halbmarathon Nikolauslauf Tübingen 12/17

Fanny Matussek Nikolauslauf 2017

Ich hatte mich im Sommer für den Nikolaus-Lauf am 03.12.17 angemeldet. Es ist ein Halbmarathon mit vielen Höhenmetern. Das bedeutet es geht viel bergab und ebenso viel bergauf – gefühlt viel mehr bergauf als alles andere. Mir blieb noch genügend Zeit für das Training und ich war sehr motiviert. Doch es kam anders als geplant. 

Ich hatte eine Erkältung, die mich mehrere Wochen begleitet und außer Gefecht gesetzt hat. Somit konnte ich nicht trainieren. Dann forderte mich mein Business noch sehr und ich musste die Entscheidung treffen, ob ich Laufen gehe oder ob ich meine Zeit in die Eröffnung meiner Location stecke. Es war ganz klar, dass ich natürlich die Zeit in die Location mit Aufbau von Möbeln, Organisation,… investiert habe – von früh bis spät. Doch das Laufen hat mir sehr gefehlt – sowohl für mein Wohlbefinden als auch das Training für den Halbmarathon. In der Woche vor dem Halbmarathon habe ich dann endlich so trainieren können, wie es sich für einen solchen Lauf gehört.

Allerdings habe ich viel überlegt, ob ich wirklich starten soll oder ob ich es lieber sein lasse. Ich wusste nicht einmal, ob ich so fit war, überhaupt durchzuhalten. Doch ich traute es mir zu. Eine Bestzeit zu laufen wäre ein kleines Wunder gewesen aber dennoch wollte ich starten. Aufgeben gibt es nicht. Und Meilensteine zum nächsten Ziel auszulassen ist für mich absolut nicht motivierend. Also stand ich am 03.12.17 früh beizeiten auf. Ich bereitete mich mit dem richtigen Frühstück vor und zog meine Laufsachen an. Dann fuhr ich nach Tübingen und holte mir meine Startnummer bei der Organisation ab. Danach wurde es ernst. Ich stand mit 3000 anderen Läufern an der Startlinie. Sie alle wollten einen Halbmarathon laufen. Das finde ich sehr beeindruckend und das löst eine Gänsehaut bei mir aus. Der Bürgermeister gab den Startschuss und schon ging es los. Vielmehr lief ich los. Alle liefen los. Es ist ein tolles Gefühl von der Masse getragen zu werden. Und dann ging es auch schon nach kurzem bergab eine gefühlte Ewigkeit bergauf. Mein Schnürsenkel hatte sich gelöst und ist aufgegangen. So musste ich kurz an den Rand um ihn wieder sicher fest zu schnüren. Den Lauf zu unterbrechen mag ich gar nicht – aber Stolpern und Hinfallen erst recht nicht. Dann lief ich weiter. Es fühlte sich gut an und die kalten Temperaturen spürte ich nicht einmal.

Es liefen einige Läufer an mir vorbei. Doch das kenne ich nicht anders. Viele laufen recht schnell los und überschätzen den „Flow“ der Masse und lassen sich mitziehen. Sie laufen allerdings nicht ihr eigenes Tempo. Das rächt sich jedoch meistens nach einigen Kilometern. Ich habe versucht mein Tempo zu laufen. Die Strecke ist so gestaltet, dass zwei Runden gelaufen werden. So sieht man zum Beispiel nach 2 Kilometern das Schild von Kilometer 2 und 14. Das empfinde ich in der ersten Runde nicht sehr aufbauend. Es wird einem vor Augen gehalten, wie viele Kilometer noch vor einem liegen. Streckenweise läuft man sogar in beide Richtungen. 

Als ich mich also den ersten hohen Berg raufgekämpft hatte, liefen mir auf der anderen Seite der Strecke schon die ersten Läufer entgegen. Sie waren also schon fast 4 km weiter als ich. Auch das demotiviert ziemlich. Da kommt schon mal der Gedanke „lahme Schnecke“ auf. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich am heutigen Tag einfach mein Rennen laufe. Ich lief also und lief. Mit jedem Schritt wurde der Lauf anstrengender. Einige Läufer fingen an zu gehen. Ich wollte am liebsten auch gehen. Doch das kam für mich nicht in Frage, obwohl ich nach spätestens 10 Kilometern die steilen Berge gefühlt nicht schneller war als ein Fußgänger. Ich habe für mich selbst entschieden, ich werde ins Ziel laufen und nicht einen Schritt gegangen sein.

Fanny Matussek Nikolauslauf Tübingen 2017

Interessant ist, was während der ca. 25000 Schritte für Gedanken auftauchen. So wie die Füße im wahrsten Sinne des Wortes Laufen nehmen auch die Gedanken ihren Lauf. Für mich fühlt es sich wie in einer Meditation an.

In einem Moment hatte ich die Erkenntnis, dass ich einfach nur jeden Schritt bis in das Ziel mache. Nur der eine Schritt, den ich gerade mache ist von Bedeutung. Egal wie gut der nächste läuft oder auch nicht. Auch der letzte Schritt ist vorbei und in diesem Moment unwichtig. Jetzt gerade zählt nur der eine Schritt, den ich jetzt mache. Das erinnerte mich an mein Leben. In der letzten Zeit hatte ich so viele Aufgaben zu erledigen, so dass ich selten bei der aktuellen Aufgabe mit der vollen Aufmerksamkeit war. Ich dachte oft schon an die nächsten Aufgaben. So sind leider jede Menge Unfälle passiert. Das Auto hat eine Schramme abbekommen, das Notebook ist komplett kaputt gegangen,… und noch viele weitere Kleinigkeiten. Das war keine neue aber eine gute Erkenntnis für mich, die ich auf mein Leben übertragen möchte.

Und so lief ich Schritt für Schritt. Es überholten mich immer wieder Läufer. Streckenweise wurde schon die Absperrung wieder abgebaut. Es war sehr frustrierend. Ich bin noch nie so langsam gelaufen. Doch diese Tatsache hat mir erst einmal die Augen geöffnet, welche Leistungen ich in den vorherigen Jahren erreicht habe. Ich war bisher unzufrieden, die Zeiten die ich laufen wollte nicht ganz erreicht zu haben. Doch mit diesem riesigen zeitlichen Abstand, mit dem ich diesmal unterwegs war, habe ich meine früheren Leistungen zu schätzen gelernt und bin sehr stolz auf sie.

Fanny Matussek Nikolauslauf Tübingen 2017

Schritt für Schritt kam ich nun der Ziellinie näher und beim Einlaufen in das Ziel sagte der Moderator meinen Namen in das Mikrofon. Das Gefühl nach über 21 Kilometern in das Ziel zu laufen ist unbeschreiblich und überwältigend. Mir trieb es Tränen in die Augen. Es waren Tränen der Freude und des Stolzes. Auch bei diesem „katastrophalen“ Lauf bin ich stolz - stolz darauf, nicht aufgegeben zu haben - weder vor dem Start noch nach dem Start. Ich bin dankbar, so viel für und über mich gelernt zu haben.

Ebenso bin ich meiner Familie sehr dankbar. Ich habe die tollsten Menschen um mich herum, die mich bei meinen Vorhaben unterstützen und dieses Mal stundenlang in der Kälte standen und gefroren haben, um für mich dabei zu sein.

 

Welche Erkenntnisse hast Du beim Laufen schon für Dein Leben gehabt? Konntest Du sie danach umsetzen?

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